Dr. med. Werner Georg Seiler

Hautärzte als Künstler und Sammler

(1)

I n a u g u r a l d i s s e r t a t i o n

zur Erlangung eines doctor medicinae (Dr. med.)
der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus
der Technischen Universität Dresden.

vorgelegt von

Maik Irmisch, Dresden.

Dresden 2000

Werner Georg Seiler (geb. 6. November 1954 in Bad Dürkheim).

Der Neustädter Dermatologe, Maler und Kunstsammler.
„Mein großes Vorbild war und ist Paul Klee! Besonders begeisterte mich dabei der Stil der von Klee als, Kuchenplätzchen-Malerei' bezeichneten Richtung, die auch ich mir zu eigen machte."
Werner Georg SEILER.

1. Seilers Lebensweg

Werner Georg SEILER wurde als Sohn des Bankdirektors Georg SEILER (geb. 1918) und seiner Frau Lucia SEILER, geborene SCHRIMPF (1920 - 1997), am 6.November 1954 in Bad Dürkheim in der Pfalz geboren. In seinem Geburtsort besuchte SEILER die Grundschule und das Gymnasium. 1973 begann SEILER ein Medizinstudium an der Universität Mainz. 1976 wechselte er nach Heidelberg bzw. Mannheim, wo er 1980 das Staatsexamen bestand. 1980 promovierte er in Heidelberg mit dem Thema „Gynäkologische Altersoperationen" zum Dr. med. SEILERS Interesse an der Dermatologie wurde durch ein Lehrbuch von Theodor NASEMANN geweckt: „ während viele Kollegen beim Betrachten von Hautkrankheiten nur ,rote Flecken' sehen, haben mich die Haut und das Optische unwahrscheinlich interessiert!" (SEILER über die Dermatologie).
Von 1980 bis 1985 bildete sich SEILER bei Ernst G. JUNG (Ordinariat 1975 - 200) an der Hautklinik in Mannheim (Fakultät für klinische Medizin der Ruprecht Karls Universität Heidelberg) zum Hautarzt weiter, ehe er sich in Neustadt an der Weinstraße niederließ.
Über seine Familie schrieb mir SEILER: „ ich bin seit 1980 mit Elisabeth Seiler verheiratet die in allem unterstützt."

2. Seiler als Maler und Sammler

Bereits als Schüler nahm Werner Georg SEILER sein Notizheft und zeichnete im Städtischen Kunstinstitut in Frankfurt am Main Bilder des surrealistischen katalanischen Malers Joan MIRó (geb. 20 April 1893 in Montroig - gest. 25. Dezember 1983 auf dem Landsitz „Son Abrines" bei Palma de Mallorca) und des spanischen Malers Pablo PICASSO (eigentlich RUIZ Y PICASSO, geb. 25. Oktober 1881 in Malaga - gest. 8. April 1973 in Mougins bei Cannes) nach. Während des Studiums wurde SEILER 1978 bei einer „Bildungs-Bahnreise" künstlerisch inspiriert, die ihn mit Studenten-Ticket quer durch Deutschland führte und bei der er verschiedene Museen besuchte. In dieser Zeit wurde er auf eine kleine Künstlergruppe aufmerksam, die sich auf der italienischen Insel Ischia zusammengeschlossen hatte. Der kleine Verein deutscher Maler, der Anleihen bei der abstrakten Malerei von Paul KLEE nahm, gab sich aber nicht vollständig der informellen Malerei, z.B. dem „Tachismus" („taches" = Farbflecken/Der Begriff wurde durch den Kunstschriftsteller Michel SEUPHER geprägt.) hin, der jede bewusste Formgestaltung ablehnte.
Zu der Gruppe, die SEILER verehrt gehören u.a.:
der Landschaftsmaler Eduard BARGHEER (geb. 25. Dezember 1901 in Hamburg - gest. 1 Juli 1979 in Hamburg),
der moderne Maler Werner GILLES (geb. 29 August 1894 in Rheydt - gest. 23. Juni 1961 in Essen),
der Landschaftsmaler Max PEIFFER-WATTENPHUL (geb. 1. September 1896 in Weferlingen - gest. 13. Juli 1976 in Rom) und
der Landschafts- und Fresenkenmaler Hans PURRMANN (geb. 10. April 1880 in Speyer - gest. 17. April 1966 in Basel).
SEILER und mittlerweile auch seine Frau Elisabeth sammeln Kunstwerke von all diesen Künstlern. Deren Lithografien beispielsweise, die in den 70er Jahren für 100 bis 200 DM zu haben damit auch für den Studenten SEILER erschwinglich waren, sind heute bereits ein kleines Vermögen wert.
Eigene Kunstwerke erschuf SEILER aber erst ab Mitte der 80er Jahre. Eine familiäre künstlerische Vorbelastung gibt es nicht. SEILERS Liebe gehört vor allem der Aquarell-Malerei. Paul KLEE und die bereits erwähnten Künstler gehören dabei zu seinen Vorbildern.
Alle zwei Jahre entsteht auch ein Ölbild. Dabei malt SEILER, der seine Werke mit „WGS" zeichnet, ein kleines Aquarell vor Ort als vorlage. Zu Hause kann er sich für das Hauptwerk in Öl auf Leinwand dann „alle Zeit der Welt" nehmen.
SEILERS Kunstwerke imponieren durch mathematische, fast kubistische Formen mit scharfen Linien und Winkeln. Seine Motiv-Wahl entstammt oft Urlaubseindrücken, dabei besonders der erlebten Architektur und den Landschaften, beispielsweise verschiedener Inseln („Venedig. Palazzo Cavalli-Franchetti". Aquarell, 1987; „St. Angelo" [Ital. Insel Ischia]. Öl, 1989; „ Giardini Poseidon" [Ischia]. Öl, 1991; "Teide" [Span. Insel Teneriffa]. Öl, 1993; " La Valletta" [Malta]. Aquarell, 1993; "Teide am Morgen" [Teneriffa]. 1993; „Gedächtniskirche bei Nacht" [Berlin]. Aquarell, 1994; „Santa Cruz de Graciosa" [Portug. Inseln Azoren]. Öl, 1997). Für seine Aquarelle hat SEILER eine eigene, sehr interessante Technik entwickelt. Er zeichnet freihändig mit Bleistift ein Gerüst aus geraden Linien und geometrischen Formen, das er später mit schwarzer Tusche verstärkt.
Das so gezeichnete Wabenmuster fotografiert er, weil es bereits ein kleines Kunstwerk für sich ist. Später wird diese Vorlage dann „aquarelliert". Ähnlich verfährt SEILER mit der Öl-Malerei. Hier zeichnet er das Muster mit einem Holzkohle-Stift („schwarze Kreide").
Humoristische Anleihen nahm und nimmt SEILER auch bei dem englischen Pop-Art-Künstler David HOCKNEY (geb. 9. Juli 1937 in Bradford) und dem französischen kubistischen Maler Robert DELAUNAY (geb. 12. April 1885 in Paris - gest. 25 Oktober 1941 in Montpellier).
SEILER verschickt regelmäßig Abbildungen seiner Werke als Weihnachtsgruß-Karten. Sein Gesamtwerk umfasst bisher 60 Aquarelle und sechs Ölgemälde. Ohne zu zögern, beantwortet er die Frage, ob sich der „künstlerische Arzt" auch ein Leben als „ärztlicher Künstler", der nur noch malt, vorstellen könne, mit einem klaren „Ja!".
Elisabeth SEILER berichtete mir zum Thema Ausstellungen von Bildern ihres Mannes: „ Für eine große Ausstellung hatte er bisher weder Zeit noch Gelegenheit. …und für Sparkassen, als bunten Hintergrund für die Kontoauszugs-Drucker und die vorbeieilenden Kunden, wollte er seine Bilder nicht hergeben."

zurück zur Praxis

zurück zur Praxis